Mordoro-Konzern sponsert Elternschule
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Mittwoch, 18 Mai 2011

Wenn das Geld fehlt, sinkt die Moral. Das zeigt sich auch bei der Einrichtung "Lichtblick", die sich das Projekt Elternschule von einem Konzern sponsern lässt, dessen Milliardengewinne aus dem Verkauf absolut gesundheitsschädlicher Produkte stammen. Das Geld soll den sozial- und bildungsschwachen Familien zugute kommen und damit gerade der Bevölkerungsgruppe, die einen besonders großen Raucheranteil stellt. Sie sollen der Zigarette noch mehr zuneigen und Marlboro statt R 6, West oder Camel rauchen. Das ist die wirkliche Intention, die der Mordoro-Konzern mit dieser Spende verfolgt.

Warum "Mordoro-Konzern"? 1981 stellte der damals in München ansässige Tabakkonzern Philip Morris den Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen die Nichtraucher-Initiative München (NIM). Die NIM hatte nichts weiter getan, als 200 Exemplare eines einfach gestalteten Nichtraucher-Kalenders des Vereins "Aktive Heidelberger Nichtraucher" zu verkaufen und zu verschenken. Auf dem Novemberblatt war die Verfremdung eines Werbeplakats zu sehen. Aus dem Originaltext "Großes Marlboro-Poker" mit 1000 Gewinnen im Wert von 150 000 Mark wurde ein "Großes Mordoro-Poker" mit den Preisen "1. Magengeschwür, 2, Herzinfarkt, 3. Lungenkrebs". Einen Tag vor der vom Landgericht München angesetzten mündlichen Verhandlung zog der Marlboro-Hersteller jedoch seinen Antrag zurück.

Da nun ungeklärt blieb, ob diese Art der Werbeverfremdung Rechtens ist, drehte der Verein den Spieß um. Er verlangte von Philip Morris die schriftliche Erklärung, künftig nichts gegen den Vertrieb des Kalenders zu unternehmen, wozu der Tabakkonzern nicht bereit war. Daraufhin erhob die NIM eine sogenannte "negative Feststellungsklage" mit einem Streitwert von 50.000 Mark. Die Richter beim Landgericht München hatten zwar inhaltlich nichts gegen die Werbeverfremdung einzuwenden, sprachen dem Verein aber das Recht zur Klage ab. Gegen dieses Urteil ging die NIM in die Berufung. Und siehe da, das Münchner Oberlandesgericht gab ihr in allen Streitpunkten Recht. Damit war allerdings Philip Morris nicht einverstanden und legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof bestätigte jedoch am 17. April 1984 das OLG-Urteil. Der Marlboro-Produzent musste sich geschlagen geben und die Anwalts- und Gerichtskosten in Höhe von mindestens 30.000 Mark tragen (Az VI ZR 246/82).

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht aufs Maul. Aber bei der Spende von Philip Morris geht es nicht um die Frage, wie leistungsfähig der Gaul ist, sondern um Public Relations für ein Unternehmen, das krankmachende und tödliche Produkte unters Volk bringen will. Gestern hat die Drogenbeauftragte ihren Bericht vorgelegt. Von 110 000 Menschen ist darin die Rede, die an den direkten Folgen des Tabakkonsums sterben.

Ernst-Günther Krause