Von 126 getränkegeprägten Gaststätten nur 7 rauchfrei
Veröffentlicht von Udo Hattwig   
Mittwoch, 12 Mai 2010

Die getränkegeprägte Gastronomie in München und Umgebung besteht zum größten Teil aus Raucherkneipen und Raucherbars. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung in mehr als 600 Gaststätten, die heute vom Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. (ÄARG) und der Nichtraucher-Initiative München e.V. (NIM) vorgestellt wurde. „Wer einfach nur ein frisch gezapftes Bier trinken möchte, muss lange suchen, wenn er dabei nicht vollgequalmt werden will“, so Prof. Dr. med. Friedrich Wiebel, der Leiter der Studie.

Bei der Erhebung wurden in ausgewählten Münchener Stadtteilen und in Ortschaften rund um München sämtliche gastronomischen Betriebe in Augenschein genommen. Die Begehung erstreckte sich von Gebieten mit hoher Kneipendichte wie Schwabing und dem Glockenbachviertel bis zu Wohngebieten mit unterschiedlichem sozioökonomischem Profil wie Haidhausen und Milbertshofen. Im Umland wurden Gaststätten in Gemeinden und Städten der Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau, Freising und München unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis der Erhebung ist eindeutig:

Unter den insgesamt 126 getränkegeprägten Gaststätten, die von den Mitarbeitern der Studie aufgesucht wurden, waren nur 7 rauchfrei. Dazu sagte Ernst-Günther Krause, der Initiator der Studie: „Die Raucherlobby behauptet, heute würde in 90 % der bayerischen Lokale nicht mehr geraucht. Das ist eine grobe Irreführung der Öffentlichkeit.“

Von einem funktionierenden Nichtraucherschutz könne aber auch deshalb nicht die Rede sein, so Krause weiter, weil man zahlreiche Verstöße gegen die geltenden Bestimmungen festgestellt habe. Beobachtet wurden:

  • Raucherkneipen, die außen als solche nicht gekennzeichnet sind,
  • Raucherlokale, die größer sind als 75 qm,
  • Speisegaststätten, in denen beispielsweise ab 22:00 Uhr geraucht werden darf,
  • Speisegaststätten mit Raucherräumen, die permanent offen stehen.

Prof. Wiebel: „Wir haben es hier nicht mit einem vorübergehenden Vollzugsproblem zu tun. Die Vielzahl komplizierter Ausnahmeregelungen ist in der Praxis kaum zu kontrollieren. Deshalb stellen viele Wirte, die sich gegenüber den Raucherkneipen benachteiligt fühlen, irgendwann die Aschenbecher wieder auf die Tische. Das hat sich in Ländern wie Spanien gezeigt und das zeigt sich auch in Bayern.“

Ernst-Günther Krause betonte, dass die aktuelle Studie nur eine Momentaufnahme liefert. Er verwies darauf, dass die bayerische Staatsregierung weitere Lockerungen des Rauchverbots plant. „Belüftungsanlagen sind teuer und ineffektiv. Trotzdem soll in Zukunft das Rauchverbot außer Kraft gesetzt werden, wenn in einem Restaurant eine Belüftungsanlage eingebaut wird.“ Geplant sei darüber hinaus, dass der Schankraum einer Gaststätte zum Raucherraum deklariert werden könne. „Wenn das so weitergeht, besteht der Nichtraucherschutz bald nur noch auf dem Papier“, so Krause.

Die beiden Vertreter vom Aktionsbündnis für echten Nichtraucherschutz kamen zu der Schlussfolgerung, dass eine komplett rauchfreie Gastronomie den besten Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens bietet. Sie appellierten deshalb an alle bayerischen Bürgerinnen und Bürger, sich am Volksentscheid zu beteiligen und am 4. Juli mit „Ja“ zu stimmen.

Hier kann die Studie mit Erläuterungen herunter geladen werden   G-Studie-M-2010.pdf G-Studie-M-2010.pdf

Letzte Aktualisierung ( Samstag, 15 Mai 2010 )