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Der Rauchertisch neben der Klotüre - was für eine Demütigung Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Udo Hattwig   
Samstag, 18 März 2006

ImageQuelle: SZ - In der Ausgabe vom 18./19. März bekommt Klaus Podak fast eine Seite im Wochenende zur Verfügung gestellt, um einen überflüssigen Abgesang auf das Rauchen zu veröffentlichen. In der Größe von 21 x 28 cm wird uns das Foto von Rita Hayworth präsentiert, auf dem sie sich mit viel "Eleganz und Sinnlichkeit" des Rauchens hingibt.

In seinem Artikel zitiert der Autor Dichter und Denker aus vergangenen Tagen, die den Tabakrauch noch unschuldig und ungeschmäht besingen durften.
Selbst ein Religionslexikon wird zitiert: "Offenbar ist also der Rauch als solcher mit einer Symbolkraft des unstet Ziehenden, als des Konturen Verwischenden wie des mächtig Emporwallenden von Bedeutung gewesen."

Nach dieser Einleitung geht er über, das Leid der Raucher zu beklagen, die nur noch als Süchtige, uneinsichtige Selbstzerstörer gelten, die zudem das Leben aller Nichtraucher in ihrer Umgebung gefährden. Als wenn die Raucher nicht wüssten, dass ihr Tun sie nachhaltig schädigt, werden sie in einem Atemzug mit den Feinstaubschleudern der geliebten Autos in einen Topf geworfen.

Die WHO definiert Gesundheit als Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Der Autor gesteht den Nichtrauchern einiges zu:

Dabei ist es überflüssig zu betonen, dass Wohlbefinden, geistiges und soziales einer Person nie auf Kosten anderer Personen durchgedrückt werden darf. Gewisse Rauchverbote sind plausibel und sinnvoll. Wer sich gestört, belästigt, in seiner Gesundheit bedroht fühlt, der hat wie der Raucher ein Recht auf sein Wohlbefinden. Und dann gibt es Menschen, für die die Pfeife oder Zigarre oder Zigarette ebenso zu den Elementen eines anderen Wohlbefindens gehören.

Weiter ergeht sich Klaus Podak in einer längeren geschichtlichen Abhandlung zum Thema und wirft noch einige bedeutende Sätze in den Ring:

  • Die hysterische Furcht vor Tabak verdankt Amerika einem frommen Chirurgen
  • Der Rauchertisch neben der Klotür - was für eine Demütigung
  • Wird auch der Smoking verschwinden, wenn es bald überall heißt "NO SMOKING?"

Der Artikel endet mit einigen Ratschlägen für die Unverbesserlichen.

Vielleicht bilden sich aber, versteckt, neue Reservate, in denen nicht gequalmt, dafür genussvoll geraucht wird. Liebhaber des blauen Dunsts sind gut beraten, sich an den Satz des weisen Epikur zu erinnern "Lebe im Verborgenen!" Für Aficionados arnachisch glühenden Tabaks: "Rauche im Verborgenen!" - zusammen mit Menschen, die sich, wohl wissend, was sie tun, von ihrer Lust nicht abbringen lassen.

Artikel erschienen im Wochenendteil der SZ vom 18./19. März 2006

Süddeutsche Zeitung

Anmerkungen:

Es ist im wieder erstaunlich, welchem Raum die Interessen der Raucher in der SZ eingeräumt bekommen. Es ist kaum anzunehmen, dass ein Artikel, der die Anliegen der Nichtraucher vertritt, den gleichen Platz beanspruchen dürfte. Genausowenig werden Leserbriefe zum Thema Nichtraucherschutz veröffentlicht.

Die Ausgaben des Feuilletons, in denen kein schmauchender Künstler abgebildet ist, sind an einer Hand abzuzählen. Gibt es eigentlich von dieser Berufsgruppe im Archiv der SZ keine Fotos ohne Kippe, Zigarre oder Pfeife?

Nachdem selbst der Autor in der Mitte seines Artikels den Nichtrauchern das Recht auf körperliche Unversehrtheit einräumt, ist dieser Artikel total überflüssig. Er sollte lieber seine Kraft dahingehend einsetzen, den Rauchern klar zu machen, dass sie die Rechte der nichtrauchenden Bevölkerung achten sollten.

Tatsache ist doch, dass bis jetzt die Nichtraucher diejenigen sind, die sich - wenn überhaupt - in irgendwelchen rauchfreien Nischen herumdrücken müssen. Leider ist der Konsum der legalen Droge Nikotin in Gesellschaft nicht geeignet, die Rechte anderer Menschen zu achten.

Udo Hattwig

Letzte Aktualisierung ( Samstag, 25 März 2006 )
 
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