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Udo Hattwig, stellvertretender Vorsitzender der NIM, reagierte mit
einem Leserbrief auf den Artikel "Wie geschundene
Bestien" von Volker Breidecker in der Süddeutschen Zeitung vom
19./20. Februar 2005:
Der
Grundtenor Ihres oben genannten Beitrages ist leider erneut eine
Dokumentation dafür, wie unsachlich man die Diskussion über das
Rauchverbot führen kann. Angefangen von der völlig danebenliegenden Überschrift
bis hin zum Abstempeln der Nichtraucher als militant (kriegerisch), trägt
ihr Artikel in keiner Weise zur Versachlichung der Diskussion bei.
Angeblich
gelingt es der Zivilgesellschaft nicht, ihre Belange selbst zu regeln. Der
Vorschlag, miteinander zu reden, läuft völlig ins Leere, da es in diesem
Zusammenhang nichts zu reden gibt, denn sogar Sie gestehen den
Nichtrauchern das Recht auf Rauchfreiheit und körperliche Unversehrtheit
zu. Infolgedessen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder müssen über
70% der Bevölkerung, also die Nichtraucher, zu Hause bleiben oder es wird
in öffentlich zugänglichen Räumen nicht mehr geraucht.
Wenn
sich beide Gruppen gemeinsam in einem Raum aufhalten, muss als Regel
gelten, nicht zu rauchen! Die Belästigung und Gesundheitsgefährdung kann
nicht anders vermieden werden. Ich spreche einem Mitbürger nicht das
Recht ab, Suchtmittel zu konsumieren, möchte aber auch nicht gezwungen
werden, an dessen Drogenkonsum teilzunehmen.
Bis
jetzt nahm es die Mehrheit der Nichtraucher hin, sich im Restaurant den
Geschmack eines guten Essens durch die rauchgeschwängerte Luft vermiesen
zu lassen, sich massiven Gesundheitsrisiken auszusetzen, die Kleidung nach
dem Besuch eines Restaurants tagelang zu lüften oder auch sofort zu
waschen. Nachdem in der Gesellschaft ein Umdenken eingesetzt hat, fühlen
Sie sich, Herr Breidecker, sofort als gehetzte Bestie und in vorbürgerliche
Zeiten zurückversetzt.
Der
Verweis, dass das Leben sowieso mit dem Tod endet, ist abgedroschen, äußerst
primitiv und nicht geeignet, die Nichtraucher zum Mitrauchen zu animieren.
Sogar der arme Goethe muss bei Ihrer Argumentation herhalten, um uns zu
beweisen, dass Sie ein eisenharter Raucher sind, der Krankheit und
vorzeitigen Tod nicht scheut.
Ist
es wirklich so weltbewegend, wenn tolle Filmszenen in verrauchten Zimmern
mit lässig schmauchenden Akteuren nicht mehr möglich wären? Gehört zu
einer Kaffeehauskultur unbedingt das Rauchen einer Zigarette? Warum beschäftigen
Sie sich nicht einmal mit der Realität an der Zigarettenfront. Scheinbar
gibt es unter den Redakteuren kaum jemand, der sich einmal der
"anderen" Seite annimmt.
Als
Lehrer an einer Hauptschule erlebe ich Tag für Tag, wie es die
Zigarettenindustrie schafft, 11-jährige Kinder an die Sucht heranzuführen.
Mit 15 Jahren schaffen es viele Jugendliche nicht mehr aufzuhören, was
dazu führt, dass in manchen Berufsschulen der Anteil der Raucher bei
nahezu 80 Prozent liegt. Bei etlichen Jugendlichen ist die Zigarette
obendrein der Einstieg zum Konsum noch härterer Drogen.
Den
in dem Artikel dargestellten Raucher (rauche gerne, so viel ich will, mein
ganzes Leben, überall und ohne Rücksicht auf meine Gesundheit) kenne ich
eigentlich nicht. Fast alle mir bekannten Raucher sind unglücklich über
die Tatsache, nicht aufhören zu können. Viele haben schon mehrfach
versucht, der Sucht zu entkommen. Die meisten verfluchen den Tag, an dem
sie angefangen haben.
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