Heute
vor 25 Jahren gründeten 32 unfreiwillige Passivraucher die
Nichtraucher-Initiative München e.V., kurz NIM. Hauptanliegen
war damals und ist es noch heute, einen umfassenden Nichtraucherschutz
durchzusetzen ge- mäß der Erkenntnis, dass ein wirksamer
Nichtraucherschutz die effektivste Förderung der Raucherentwöhnung
ist. Ein wichtiges Teilziel wurde vor kurzem erreicht: Am 3. Oktober
trat der neue Nichtraucherschutz-Paragraf 3a der Arbeitsstättenverordnung
in Kraft. Danach hat der Arbeitgeber "die erforderlichen Maßnahmen
zu treffen, damit die nichtrauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten
wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt
sind."
Begonnen
hatten die Aktivitäten der NIM schon 1976 mit der Organisation des
ersten Münchner Nichtraucherballs am 11. September im Künstlerhaus.
Unterstützung erhielt der Verein von dem Biochemiker Prof. Dr.
Frederic Vester, den die NIM als Schirmherrn gewinnen konnte.
Dem ersten Herbstball folgten viele "Nächte in Antinikotinien"
im Fasching und Bälle zum Jahreswechsel. Bis zu 835 zahlende
Nichtraucher und nicht rauchende Raucher nahmen jeweils die
Gelegenheit wahr, in qualmfreier Atmosphäre das Tanzbein zu
schwingen. Erst als das Künstlerhaus als Ort für Tanzveranstaltungen
ausschied, endete ein paar Jahre später auch die fast 20-jährige
Geschichte der Nichtraucherbälle.
Wichtiger
als Tanzen ist für die Mitglieder der NIM der Wunsch, den
qualmgeplagten Nichtrauchern am Arbeitsplatz, in Gaststätten und in
öffentlich zugänglichen Räumen sowie entwöhnungswilligen Rauchern
zu helfen. Bei mehr als hundert Informationsständen in der Münchner
Fußgängerzone nahmen die interessierten Passanten zehn- tausende
Druckschriften, tausende Poster und hunderttausende Aufkleber mit.
Erstmals 1978 gab die NIM ein Verzeichnis nichtraucherfreundlicher
Gastronomiebetriebe heraus, aus dem inzwischen – in Regie der
Nichtraucher-Initiative Deutschland – ein veritabler, 1000 Einträge
umfassender Gastronomieführer mit Internetausgabe wurde.
1981
führte die NIM einen Prozess gegen den Tabakkonzern Philip Morris
wegen Verfremdung einer Marlboro-Werbung. Der Gerichtsstreit ging zwar
in erster Instanz verloren, doch siegte die NIM in der Berufung vor
dem Oberlandesgericht und der Revision vor dem Bundesgerichtshof. Die
NIM ist damit wohl einer der wenigen Vereine, die einen Prozess gegen
einen Tabakmulti auch in der letzten Instanz gewonnen hat.
Die Richter sprachen der NIM das Recht zu, die Werbung für ein
"Großes Marlboro-Poker" in ein "Großes
Mordoro-Poker" zu verfremden und die im Original
angepriesenen Geldgewinne in Höhe von 150.000 Mark durch "1.
Preis: Magengeschwür, 2. Preis: Herzinfarkt und 3. Preis: Lungenkrebs"
zu ersetzen.
Die
Entscheidung des obersten Gerichts bedeutete zugleich, dass die
Tabakkonzerne keine Chance mehr haben, gegen Aufkleber wie
"Marlboro – Gestank von Abhängigkeit und Langeweile" oder
"Nur ein Esel geht meilenweit ..." juristisch erfolgreich
vorzugehen.
1987
regte die NIM zwei Mitglieder zur Kandidatur auf einer Liste
Nichtraucherschutz bei den Betriebsrats- wahlen bei
Siemens-Hofmannstraße an und unterstützte sie bei der Verteilung der
Werbe-Handzettel. Die Liste errang 12,2 Prozent der Stimmen und vier
Sitze, von denen leider mangels weiteren Kandidaten nur zwei besetzt
werden konnten.
Ein
Jahr später initiierte die NIM die Gründung der
Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID) und stellte damit
sicher, dass das Thema Rauchen und Nichtraucherschutz auch auf
Bundesebene angegangen wird.
1989
gründeten NIM-Mitglieder die Wähler-Initiative Nichtraucherschutz
e.V. (WIN), die ein halbes Jahr später bei den Münchner
Stadtratswahlen antrat und 0,5 Prozent der Wählerstimmen errang.
Anfang
2001 legte die NIM dem Stadtrat das Aktionsprogramm München
rauchfreier 2001 mit Vorschlägen
zur Verbesserung des Schutzes der Bürgerinnen und Bürger sowie der Gäste
der Stadt München vor den Gesundheits- gefahren des Tabakrauchs vor.
Eine
von der NIM im Sommer 2001 beim Peinelt-Institut in Auftrag gegebene Umfrage
brachte als Ergebnis, dass 42,3 Prozent der Bürger in München und
Umgebung eine rauchfreies Bierzelt wollen. 34,8 Prozent sind
dagegen, 18,1 Prozent gehen grundsätzlich in kein Bierzelt und 4,9
Prozent haben keine Meinung dazu.
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