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Oberbürgermeister (OB)
Das Lebensgefühl auf der Wies'n ist von
zwangloser Integration aller Bevölkerungsschichten und aller
Altersgruppen und geselligem Miteinander der (freiwilligen)
Besucher geprägt. Deshalb hat der Stadtrat schon 1998 einen
Antrag auf ein Zelt für ältere Wies'n-Besucher abgelehnt.
NIM
Das
zwangsweise Einatmen von Tabakrauch mit der dabei
hervorgerufenen gesundheitlichen Beein- trächtigung gehört zu
den Verhaltensweisen, die von der Mehrheit der Bevölkerung
abgelehnt werden. Die Unterbringung von alten und jungen
Menschen in einem
Zelt
ist nicht ernsthaft mit einer Gesundheits- schädigung zu
vergleichen.
OB:
Das Oktoberfest als Volksfest kann, was rauchfreie Zonen oder
ein rauchfreies Zelt betrifft, nicht mit gleich strengem Maßstab
wie andere kulturelle Veranstaltungen in Räumen gemessen
werden.
NIM: Für diese Behauptung gibt es keine stichhaltige Begründung. Es geht ja
um keine Umkrempelung der Wies'n, sondern – vorerst – um ein
einziges rauchfreies Bierzelt.
OB: Rauchen ist
zweifelsohne ungesund und sollte, wo erhebliche Belästigungen für
den Nichtraucher auftreten und Ausweichmöglichkeiten fehlen,
eingeschränkt werden. Dies ist auf dem Oktoberfest nicht der
Fall, da der Besuch freiwillig ist und die Dauer und der
Aufenthaltsort selbst bestimmt werden können. Berücksichtigen
sollte man dabei auch, dass es sich um Bierzelte mit fast 12 m Höhe
und einer sehr hohen Luftzirkulation handelt
NIM: Es gibt keine Ausweichmöglichkeit für die Wies'n-Bierzelt-Besucher,
die sich keinem Tabakqualm aussetzen wollen. Wer mit der Höhe
der Bierzelte argumentiert, sollte sich über die Unwirksamkeit
von Belüftungssystemen informieren, wenn die
Verschmutzungsquellen ständig für Nachschub sorgen. Jedes
Wies'n-Bierzelt ist der leicht zu ermittelnde Beweis für
Umweltverschmutzung durch Tabakrauch.
OB:
Außer
an den Wochenenden und in den Abendstunden gibt es in den
Bierzelten ausreichend Be- reiche, die fast rauchfrei sind. Wer
seine Besuchszeiten diesen Gegebenheiten anpasst, kann schöne und nur gering verrauchte
Stunden auf dem Fest verbringen.
NIM:
Geringer
verraucht heißt nicht rauchfrei. Doch ganz abgesehen davon:
Nichtrauchern den Rat zu geben, den Wies'n-Besuch an Werktagen
auf die Zeit zwischen 12 und 16 Uhr zu legen, bedeutet, den
Bierzelt-Besuch auf Arbeitslose, Hausfrauen und Rentner zu
beschränken.
OB:
Einer Einschränkung des Wohlbefindens durch Rauch werden
Nichtraucher aber auch künftig in vielen Bereichen, auch auf
der Wies'n, ausgesetzt sein. Hier ist Toleranz gefordert. Sonst
stellt sich die Frage, ob nicht Lärm und Alkohol, die im Übermaß
schädlich sind, dann ein Musik- und Alkoholverbot notwendig
machen würden.
NIM: Der Deutsche Bundestag verlangt einen Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz
und die Bundesbahn will das Rauchen auf den großen Bahnhöfen
verbieten, weil eine Gesundheitsschädigung nicht toleranzfähig
ist. Lärm bekämpft man mit Lärmminderung, nicht mit Verbot.
Alkohol schadet in größeren Mengen nur dem Konsumenten – es
sei denn, er setzt sich ans Steuer, was ihm jedoch verboten ist.
OB:
Die Wies'nwirte, die um eine Stellungnahme zu Ihrem Antrag
gebeten wurden, verweisen auf den einheitlichen Raum und dessen
Höhe und meinen zu Recht, dass eine Ausweisung von
Nichtraucherzonen deshalb wenig Sinn macht. Außerdem sei die
Luft in den Zelten durch die in diesem Jahr geänderten, wesentlich größeren Abzugshauben in allen Zeiten spürbar
besser geworden. Auf die Einrichtung eines gänzlich rauchfreien
Zeltes gehen sie in ihrer Stellungnahme nicht ein.
NIM: Nun gut. Wer kann sich schon erinnern, wie das Wetter
im letzten Jahr war? Die Behauptung, die Luft in den Bierzelten sei seit 2001
besser gewesen als im Vorjahr, ist jedenfalls durch keine
Messung zu belegen. Und ganz subjektiv: Der Tabakqualm war
keinen Deut dünner als im Jahr mit den drei Nullen.
Dass
sich die Wies'nwirte noch keine Gedanken über ein rauchfreies
Bierzelt gemacht haben, ist verständlich. Vordenken ist ja auch
nicht unbedingt ihre Aufgabe, sondern z.B. die des
Fremdenverkehrsamtes.
OB: Eine Anfrage bei der Stadt Stuttgart ergab, dass dort auch kein
rauchfreies Zelt vorhanden und geplant ist.
NIM: Wer immer nur auf andere Züge wartet, versäumt den eigenen.
OB: Die Stadt hat sich bisher immer darauf beschränkt, an die Wirte zu
appellieren, um Änderungen freiwillig durchzuführen. Als
Veranstalter will die Stadt deshalb auch künftig keine
rauchfreie Zonen oder ein rauchfreies Bierzelt vorschreiben. Ein
Rauchverbot für die Zelte auf der Wies'n oder auch nur eine
Vorgabe für Nichtraucherbereiche wären im Übrigen rechtlich
nicht durchsetzbar.
NIM:
Die Stadt kann sehr wohl ein rauchfreies
Bierzelt zum Schutz der nichtrauchenden Wies'ngäste
vorschreiben. Abgesehen davon: Im Zeitalter der Marktwirtschaft
wird sich sicher ein Wirt finden, der die Chance wahrnimmt,
weltweit Werbung für seine Biermarke zu betreiben. Denn ein größerer
Aufhänger als ein rauchfreies Bierzelt ist bei einer
international ausgerichteten Werbung kaum vorstellbar.
OB:
Erlauben Sie mir abschließend zumindest einen leisen Zweifel an
Ihrer Wertung der Umfrage anzubringen. Auf die Frage „Würden
Sie beim nächsten Wies'nbesuch in ein rauchfreies Bierzelt
gehen?“ haben 42,3 % der Befragten mit „ja“ geantwortet.
Das heißt, sie würden das Angebot annehmen. Das heißt aber
nicht zwingend, dass sie für die Einrichtung eines solchen
Zeltes und damit einer Änderung der Wies'n sind. Ihre
Schlussfolgerung würde nur zutreffen, wenn die Frage gelautet hätte:
„Sind Sie für ein rauchfreies Zelt und damit eine Änderung
des Angebotes auf der Wies'n?“ Über das prozentuale
Zustimmungsergebnis auf diese Frage kann nur spekuliert werden.
NIM:
Warum diejenigen, die gern in ein rauchfreies Bierzelt gehen
wollen, dagegen stimmen sollten, dass ein solches Zelt auf der
Wies'n eingerichtet wird, ist mir – ehrlich gesagt – völlig
unverständlich. Es dürften nämlich bei der
„Einrichtungsfrage“ mehr Bürger zustimmen als bei der von
der NIM gestellten Frage. Denn es kommen dann noch diejenigen
hinzu, die zwar für ein rauchfreies Bierzelt sind, aber – aus verschiedenen
Gründen, z.B. wegen der Art der Musik oder des Lärms –
nie in ein solches gehen würden. Im Übrigen: Es steht der
Stadt München frei, eine Umfrage in Auftrag zu geben oder die
Presse dazu anzuregen. Ein solches Thema interessiert viele
Leser.
OB: Ich hoffe, Sie können sich nach dem Motto „Leben und leben lassen“
auch künftig mit mehr oder weniger verrauchten Bierzelten auf
der Wies'n abfinden.
NIM:
Ehrlich gesagt: Nein. Und sicher auch die rund 800.000 Bürgerinnen
und Bürger nicht, die rauchfrei leben und die auch wollen, dass
man sie in einem Bierzelt rauchfrei leben lässt.
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